Vertrau mir einfach!

Immer wieder höre ich Aussagen wie: Vertraue mir, ich weiß was ich tue. Das geht in alle Richtungen. Mitarbeiter erwarten, dass andere Mitarbeiter ihnen vertrauen. Anbieter erwarten, dass die Kunden ihnen vertrauen, Teams erwarten, dass andere Teams oder Manager und Führungskräfte ihnen vertrauen. Natürlich erwarten Führungskräfte umgekehrt, dass ihre Teams oder Mitarbeiter ihnen vertrauen.


Auch wenn „vertrauen können“ abhängig von der individuellen Sozialisation und einem mehr oder weniger entwickelten Urvertrauen ist, halte ich alle diese Aussagen grundsätzlich für Quatsch, vor allem, wenn es um Veränderungen im Kontext von Arbeit geht.

Stell dir mal vor, ich sage zu dir folgendes: „Ich nehme dich mit auf eine lange, schwere und gefährliche Reise. Es wird dabei sehr ungemütliche Momente geben und schreckliche Stürme. Ich sage dir nicht, wohin es geht, warum wir da hingehen und wie wir da hin kommen. Vertrau mir! Los! Vertrau mir einfach!“

Die Reaktion wird sein wie die eines ängstlichen Kindes: Mit Widerstand und Ablehnung werden viele Gründe gefunden, warum man sich nicht an der Reise beteiligen will, selbst wenn der Glaube da ist, dass die Reise insgesamt spannend sein oder ein gutes Ziel haben wird.

„Vertrau mir!“ als Aussage ist also Quatsch, oder? Noch mehr Quatsch und ziemlich naiv ist „Vertrau mir einfach!“ Denn kaum einer von uns will eine (lange, gefährliche) Reise ins Unbekannte machen und leicht fällt es erst recht nicht. Dennoch entspricht das häufig der (in der Formulierung liegenden oder unausgesprochenen) Erwartung bei der Aufforderung, dass sich Kollegen, Mitarbeiter, Führungskräfte in alle Richtungen gegenseitig „einfach“ vertrauen.

Um es noch deutlicher zu machen: eine solche Erwartung ist nicht nur Quatsch, sondern respektlos den Sorgen und Nöten der Kollegen und Mitarbeitern gegenüber. Und manchmal ist diese Forderung sogar unehrlich, weil es meistens gar nicht um Vertrauen geht, sondern darum, ungestört „alleine“ entscheiden zu können. Ehrlicherweise wäre der Satz nicht „Vertrau mir einfach“, sondern: „Ich entscheide und will es nicht erklären, lass mich einfach machen!“

Heutzutage muss man sich im Geschäftsleben das Vertrauen verdienen. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen Vertrauen gewinnen. Vertrauen kann nicht einfach erwartet oder vorausgesetzt werden.

Was hilft dabei Vertrauen zu gewinnen, wenn es weder erwartet noch vorausgesetzt werden kann?

  • Worte und Taten müssen zusammen passen. Vertrauen gewinnt, wer zuverlässig ist.
  • Je offener und klarer Entscheidungen sind, um so einfacher ist es für die anderen, zu vertrauen. Ein hohes Maß an Transparenz hilft.
  • Versprechen und Zusagen müssen unbedingt eingehalten werden. Großer Einsatz zur Einhaltung oder gar Übererfüllung unterstützt zusätzlich.
  • Der beste Weg um heraus zu finden, ob man jemandem vertrauen kann ist, ihm zuerst selbst zu vertrauen. Um Vertrauen zu gewinnen, muss man zunächst selbst vertrauen.
  • Risikobereitschaft ist wichtig, weil Vertrauen irgendwo zwischen Zuversicht und Wahrscheinlichkeit und damit außerhalb des eigenen sicheren Bereichs liegt.
  • Vertrauen beginnt bei einem selbst in der eigenen Beziehung zu anderen. Vertraue anderen so, wie du dir wünschst, dass dir vertraut wird.

Vertrauen ist das, was Veränderung in Organisationen möglich macht. Es ist die Grundlage, die Mitarbeiter unabhängig von Hierarchiestufen und Teams zusammen hält.

Mitarbeiter und Führungskräfte, die ihren Kollegen und Mitarbeitern sagen, sie sollen ihnen einfach vertrauen und dabei Loyalität erwarten, bekommen stattdessen Menschen, die sich gegen Veränderungen wehren, statt sie willkommen zu heißen, weil eine solche Aussage wahrgenommen wird als „friss oder stirb“ und damit genau das Gegenteil bewirkt.

Vielen Dank an Lolly Daskal für ihren mal wieder großartigen Blogpost, der meine Meinung nicht besser hätte ausdrücken können und damit Grundlage für meinen Beitrag gebildet hat.

(Das verwendete Titelbild ist von Tambako The Jaguar – vielen Dank!)

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