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Führung: was ist das?

Ein großes Thema auch im agilen Kontext ist „Führung“. Spätestens seit Jurgen Appelos „Management 3.0“ mit den dazugehörigen Workouts aus „Managing for Happiness“ gibt es Handbücher und Ideen für eine moderne Art von Führung in agilem Kontext.

Was aber ist eigentlich dieses Führung, das sich ändern muss in eine Richtung, die beispielsweise ich in „Agilität: Führung neu Denken“ beschrieben habe?

Hier ist der Versuch zu formulieren, was Führung ist und durch welche Merkmale sie sich auszeichnet. Dabei wird hoffentlich auch deutlich, dass Führung weder in einzelnen Rollen gebündelt, noch an einzelne Personen fest gebunden sein muss.

Was ist Führung?

In Führung geht es um die Beeinflussung des Erlebens und Verhaltens von Menschen – als einzelne Personen und innerhalb von Gruppen – zum Erreichen eines Ziels. Grundlage für Führung ist Macht, da Macht als die Möglichkeit der Einflussnahme auf das Verhalten und Denken von Menschen definiert ist. Je größer der Einfluss auf das Verhalten und Denken von Menschen ist, um so stärker ist Führung.

Zielgerichtete Beeinflussung

Führung ist ein zielgerichteter Prozess der Beeinflussung, der wechselseitig zwischen Personen stattfindet. Es kann dabei völlig unterschiedlich sein, wie diese Beeinflussung stattfindet. Klassische Führungskräfte haben durch ihre Positionen mehr Rechte und mehr Wissen und damit die Macht, Einfluss auf Menschen auszuüben. Das ist aber nur eine Möglichkeit. In der Gegenwart hat die Selbstbestimmung von Menschen und eigenverantwortliches Handeln auch bei der Arbeit einen gestiegenen Stellenwert. Hierdurch gewinnen andere Formen der zielgerichteten Beeinflussung ebenso einen größeren Stellenwert.

Unbeabsichtigte und nicht zielgerichtete Beeinflussung findet auch statt. Das wiederum hat nichts mit Führung zu tun, weil das Ziel der Beeinflussung fehlt. Der Führung ausübende Mensch verfolgt das Ziel und beeinflusst entsprechend. Ohne die Bereitschaft des „geführten Menschen“, sich auf das Ziel ein- und damit beeinflussen zu lassen, findet keine Führung statt. Führung ist also immer nur wirksam und erfolgreich, wenn sie als gemeinsame Aufgabe und Verantwortung gesehen wird.

Arbeit mit Gruppen und am System

Immer mehr Aufgaben werden mittlerweile und zukünftig durch selbstorganisierte und eigenverantwortliche Teams erledigt. Entsprechend ist Führung häufig nicht mehr nur ein Prozess zwischen Einzelpersonen, sondern mit und in ganzen Teams und Gruppen. Es geht also in Führung darum, Interaktionen innerhalb und zwischen Gruppen zu ermöglichen, mit zu gestalten und die Richtung zu einem Ziel zu verfolgen.

Da es bei Führung darum geht, das Erleben und Verhalten und damit auch das Denken der Menschen zu beeinflussen, bedeutet das Arbeiten am System. Menschen wurden beeinflusst, wenn sie ihr Verhalten und Denken geändert haben. Hierfür muss das System verändert werden, damit die Menschen durch ein verändertes Verhalten in ihrem Arbeitskontext positive Erfahrungen machen und hierdurch ein neues Verhalten internalisieren.

Geteilte Führung

Früher wurde möglichst viel Macht bei einzelnen Personen gebündelt, um möglichst zentralisiert eine hohe Beeinflussung ausüben zu können. Der Nachteil: Es müssen mehr Entscheidungen an einer Stelle getroffen werden – Engpässe entstehen. Außerdem steigt die Fehleranfälligkeit für Entscheidungen mit der Reduktion der Anzahl der Menschen, die Entscheidungen treffen.

Insofern ist heute das Aufteilen von Führung auf viele Köpfe sinnvoll. Führung wird zu einer gemeinsamen Verantwortung von Teams. Das bedeutet nicht, dass alle bei allen Themen gleichermaßen Führung übernehmen, sondern dass verschiedene Menschen für unterschiedliche Handlungsfelder Führung übernehmen. Den größten Einfluss haben hier Menschen, die positiv und kompetent von anderen Menschen wahrgenommen werden und ihr Zutrauen haben. Diese Menschen müssen keine formelle Führungsrolle haben und betrachtet man Führung als Prozess vieler Menschen mit geteilter Verantwortung, wäre die Bündelung bei Einzelpersonen sogar kontraproduktiv.

Wer führt, führt

Auch wenn früher die Bündelung von formeller Macht und viel Wissen dazu geführt hat, dass definierte Führungskräfte mit Entscheidungen ihre Mitarbeitenden beeinflusst haben, gab es auch damals bereits formelle Führungskräfte ohne wirkliche Führungsmacht und andere Menschen ohne Führungsrolle, die Führung übernommen haben.

Führung ist nur erfolgreich und wirksam, wenn die zielgerichtete Beeinflussung erfolgreich zum Ziel führt. Es ist für den Prozess der Führung nicht wichtig, ob es formelle Führungsrollen gibt oder nicht. Wer führt, führt. Das war schon früher so und wird auch in Gegenwart und Zukunft weiter so sein. Damit Führung erfolgreich und wirksam ist, muss sie als gemeinsame Verantwortung von führen und geführt werden gesehen werden. Dabei können und werden sich abhängig von Personen, Thema und Ziel die Rollen „beeinflussen“ und „beeinflusst werden“ situativ verändern. Damit das möglich wird, brauchen die Menschen gegenseitiges Zutrauen sowie eine Zusammenarbeit füreinander und auf Augenhöhe.

(Das Bild ist von Ronnie MacDonald – vielen Dank!)

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