Teambuilding

Teambuilding: Was hilft am Meisten?

In aktuellen Arbeitswelten von kreativen Wissensarbeitern spielt das Zusammenarbeiten als Team eine große Rolle. Viele Menschen beschäftigten und beschäftigen sich mit der Frage, was ein gutes Team ausmacht. Es gibt für Teams verschiedene Phasenmodelle und Ideen, wie man einen vermeintlichen Reifegrad von Teams messen und davon abgeleitet Teams weiterentwickeln kann.

Was ist ein Team?

Schaut man in den Duden, dann wird Team beschrieben als „Gruppe von Personen, die gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten“. Das wäre mir noch etwas zu allgemein, denn dann wäre beispielsweise die Polizei Deutschlands, deren Aufgabe laut Grundgesetz die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit ist, auch ein Team. Auch die Summe aller Führungskräfte in einem Unternehmen wäre dann ein Team.

Etwas spezifischer formuliert im Kontext Arbeit ist für mich ein Team eine kleine und sozial dichte Gruppe unterschiedlicher Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen, das sie alleine nicht erreichen könnten. Damit sind die Menschen innerhalb eines Teams aufeinander angewiesen und arbeiten miteinander und füreinander. Cornelia Edding und Karl Schattenhofer formulieren in „Einführung in die Teamarbeit“: „Ein Team ist eine Gruppe von 3 bis etwa 12 Personen, die aufeinander angewiesen sind, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen oder eine Leistung zu erbringen.“

In komplexen Arbeitsumgebungen sind Teams sehr oft eine gute Struktur für die Erledigung von Aufgaben. Selten kann noch in Einzelleistung etwas erstellt werden, das für einen Kunden Wert erzeugt. Was gute Teams ausmacht, das hat Google mal in 180 seiner Teams analysiert und für viele Aufgaben sind gut funktionierende Teams trotz ihrer Nebenwirkungen ein wertvolles Kapital innerhalb eines Unternehmens.

Teambuilding

Teams haben in der Regel drei Aufträge. Zum einen geht es um die Erledigung eines Auftrags, darum einen Nutzen zu stiften für die Mitglieder des Teams und den Selbsterhalt des sozialen Systems. Bei den Maßnahmen zum Teambuilding geht es um den Selbsterhalt des sozialen Systems. Aber was bedeutet das, was ist Teambuilding eigentlich?

Unter Teambuilding versteht man in der Regel Maßnahmen, die das Wir-Gefühl innerhalb eines Teams stärken sollen. Von diesem starken Wir-Gefühl verspricht man sich eine gute Kommunikation sowie eine hohe Produktivität und Motivation der Menschen innerhalb des Teams. Beliebt sind gemeinsame Termine außerhalb der Arbeit, bei denen man gemeinsam andere Aufgaben löst, als die bekannten auf der Arbeit oder bei denen man einfach ungezwungen in den Austausch kommt, um sich besser kennenzulernen. Die Anbieter von Teambuilding-Events – Klettern, Floß bauen, Kanu fahren, Escape Room – ist lang. Manchen reicht es auch, gemeinsam zu grillen, Essen zu gehen oder sich einen hinter die Binde zu gießen.

Welche Methoden und Versuche für „Teambuilding“ eingesetzt werden, hängt meist davon ab, mit welchen Methoden Menschen in vorherigen Teams gute Erfahrungen gemacht haben oder welchen Beratern oder Büchern man sein Vertrauen schenkt. Für mich stellte sich nach vielen Jahren und unterschiedlichsten Teambuilding-Events in klein und groß, die ich teilweise selbst organisiert oder an denen ich teilgenommen habe, die Frage: Welches der Events hat wirklich einen nachvollziehbaren und gar reproduzierbaren Effekt gehabt und sich dabei positiv auf die Kommunikation, die Produktivität und Motivation ausgezahlt?

Heute weiß ich: Teams sind komplexe soziale Systeme. Das bedeutet auch, dass sie sich nicht wie eine Maschine steuern lassen. Es bedeutet auch, dass Ursache und Wirkung nicht verlässlich vorhersehbar sind. Man kann also die Entwicklung eines Teams nicht verlässlich und immer nachvollziehbar durch Eingriffe direkt in eine geplante Richtung verändern.

In meiner beruflichen Karriere habe ich mit vielen Teams zusammen gearbeitet. Teilweise als Coach, teilweise als Berater, teilweise in der Rolle als Führungskraft, teilweise einfach als Teil des Teams. Und jedes dieser Teams war individuell, weil Aufgaben, Rahmenbedingungen und die Menschen innerhalb des Teams immer anders waren. Die Eingriffe in das Team waren teilweise gleich, teilweise unterschiedlich und die Folgen aus diesen Eingriffen waren immer anders. Diese Teams haben unterschiedlich funktioniert und sich mal schneller und mal langsamer und manchmal überhaupt nicht zu einer guten Zusammenarbeit zusammen gefunden. Und ich kann bis heute nur eine verlässliche Maßnahme erkennen, die tatsächlich nachhaltig für ein Zusammenwachsen des Teams gesorgt haben.

Die beste Teambuilding-Maßnahme

Die beste Teambuilding-Maßnahme, die nachhaltig für gut zusammengewachsene und performante Teams gesorgt und damit auch zu einem motivierenden Arbeitsumfeld gesorgt hat, war und ist kein Hexenwerk: Es war die erfolgreiche und gut funktionierende intensive Zusammenarbeit selbst. Jeden Tag mehrere Stunden miteinander an Aufgaben arbeiten, Herausforderungen meistern und Probleme lösen, der daraus resultierende tägliche Umgang miteinander unterstützt durch regelmäßige Reflexion der Zusammenarbeit mit dem Ziel, eine gute Arbeitsumgebung für alle im Team zu schaffen – das ist es, was das Wir-Gefühl in Teams entstehen lassen kann. Wenn sich die Menschen im Team dann in schwierigen Situationen für die Sache und füreinander einbringen und gemeinsam Erfolge haben, macht die Arbeit Spaß und das Team gehört zu den gut funktionierenden.

So wie Buchstaben ohne die Zwischenräume nicht als solche zu erkennen wären, besteht ein Team auch nur durch die Abgrenzung zur Umwelt. Für diese Identifikation und Abgrenzung bietet sich im Kontext Arbeit der Auftrag des Teams häufig am Besten an.

Wenn ich also heute Teams sehe, die sich mit Werte-Workshops beschäftigten wollen, glauben, dass sie ein motivierendes Team-Event brauchen, damit das „Teambuilding“ besser funktioniert, werde ich hellhörig. Denn das zeigt vor allem eines: das Team scheint noch keine für alle Beteiligten gute Form der Zusammenarbeit gefunden zu haben. Und das ist der Bereich, an dem dann angesetzt werden muss.

Natürlich lassen sich in regelmäßigen Terminen zur Reflexion der Zusammenarbeit auch Methoden einbinden, die unterhaltsam sind, in denen sich die Menschen auch jenseits ihrer eigentlichen Aufgabe im Team kennenlernen. Wirklich gute Erfahrungen habe ich beispielsweise mit dem Einsatz von Personal Maps oder auflockernden „Check-In Fragen“ zu Beginn von Terminen gemacht. Wenn ein Team eine gute Zusammenarbeit hat, dann kommen die Team-Events freiwillig und von ganz alleine. Es mag vielen vielleicht Spaß machen, bringt meiner Erfahrung nach wenig – oder ist zumindest aufwändig, oft teuer und nicht wirklich zuverlässig – irgendwelche „Party-Events“ außerhalb der Arbeit zu organisieren, um das Teambuilding zu fördern. Stattdessen sollte man den Fokus auf die gemeinsame Gestaltung eines motivierenden und erfolgreichen Arbeitsumfelds legen, dann kommen die „Party-Events“ aus der eigenen Motivation der Kollegen und Kolleginnen, oder auch nicht – ganz wie es ihnen gefällt.

Was kann man tun?

Teams betrachtet als Systeme organisieren sich selbst. So wie man Menschen nicht entwickeln kann, kann man auch Teams nicht entwickeln. Sie entwickeln sich selbst. Beeinflussen lassen sich diese Teamentwicklungsprozesse durch absichtsvolle, gezielte Interventionen, die direkte Auswirkung auf die konkreten Prozesse und Arbeit der Menschen haben. Wichtig ist dabei zu beachten, dass diese Impulse von außen erst in die interne Logik des Systems übersetzt und erst danach verarbeitet werden. Dabei können unerwartete und sogar unerwünschte Nebeneffekte auftreten.

Ein kontinuierliches Zusammenarbeiten mit möglichst viel gemeinsamer Arbeitszeit ist die beste Grundlage für ein entstehendes Wir-Gefühl in einem Team. Gute Zusammenarbeit und eine positive Arbeitsumgebung ist dabei keine Selbstverständlichkeit sondern ein gutes Stück Arbeit, die auch Zeit kostet. Gemeinsam arbeiten, die Zusammenarbeit reflektieren und mögliche Verbesserungen für Zusammenarbeit definieren, ausprobieren und die Effekte beobachten hat nachhaltig positiven Einfluss auf das Wir-Gefühl des Teams. Unterstützt werden können diese im Team liegenden Möglichkeiten durch Interventionen von außen, deren Effekt ebenso wieder im Team reflektiert werden sollte, um den größtmöglichen Nutzen aus der Intervention zu ziehen. Welche Bereiche man für Interventionen und Reflexion betrachten kann, da kann der Artikel „Spitzenteams sind kein Zufall“ ein paar zusätzliche Hinweise geben.

Letztendlich steht ein Team im dauerhaften Konflikt, sich für die eigene Identität von der Umgebung abzugrenzen, und gleichermaßen sich dem Kontext anzupassen, um überlebensfähig zu sein. Diesen Konflikt auszugleichen und immer wieder eine gute Balance herzustellen, ist eine dauerhafte Aufgabe in Teams, für die eine ständige Reflexion und Anpassung dauerhaft eine herausfordernde Aufgabe bleibt, auch für Teams, die schon lange zusammenarbeiten und eine gute Form der Zusammenarbeit für sich entwickelt haben.

Du willst ein gutes Wir-Gefühl in deinem Team? Reines Kennenlernen und Spaß haben in der Freizeit ist sicher selten schädlich, aber weder notwendig noch ausreichend. Was mehr für das Wir-Gefühl in Teams sorgt, das ist die intensive gemeinsame Arbeit und die Beschäftigung mit der kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit im Team. Eine bessere Teambuilding-Maßnahme gibt es nicht.

(Das Bild ist von The Amazing Race Bangkok – vielen Dank!)

One Comment

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  1. Danke für den tollen Artikel. Es braucht aber insbesondere von der Führungsperson eine Offenheit für Diskussion und Veränderungen.

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