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Füreinander für Spitzenleistung

Längst kommt kaum eine Stellenausschreibungen und auch kein Lebenslauf mehr aus, ohne als Anforderung oder Stärke „teamfähig“ zu erwähnen. Es gibt Teams, die funktionieren großartig, andere gut und wieder andere, die funktionieren nicht gut bis hin zu „überhaupt nicht“.

Für das Bearbeiten und Lösen komplexer Probleme ist das Arbeiten in interdisziplinären Teams notwendig. Insofern ist „Teamfähigkeit“ als Anforderung und Fähigkeit wichtig. Menschen müssen sich aufeinander einstellen, sich kennenlernen und ihre Zusammenarbeit gestalten können. Was aber bedeutet eigentlich „Zusammenarbeit“ und welche unterschiedlichen Formen gibt es? Was bedeutet es, wenn Teams „überhaupt nicht“ oder „goßartig“ zusammenarbeiten?

Formen der Zusammenarbeit

In seinem Buch „Social Energy: Für die Gestalter der neuen Arbeitswelt. Ein Inspiratorialy“ beschreibt Ulf Brandes fünf Formen des Zusammenlebens von Menschen. Vier davon habe ich im Arbeitskontext in Unternehmen und Teams erlebt.

  • Gegeneinander
  • Nebeneinander
  • Miteinander
  • Füreinander
  • Symbiose

Die fünfte Stufe (Symbiose) sehe ich im Arbeitskontext nicht, sondern in engen Partnerschaften, in Familien oder Eltern-Kind-Beziehungen, in denen ein tiefes gegenseitiges Vertrauensverhältnis besteht.

Gegeneinander

Menschen betrachten sich als Kontrahenten. Die Arbeit gegeneinander findet sich häufig auf großer Ebene zwischen Unternehmen und im kleineren Kontext auch zwischen Teams, zwischen unterschiedlichen Bereichen mit verschiedenen Verantwortlichkeiten und teilweise sogar zwischen Menschen innerhalb eines Teams. Von Zusammenarbeit kann hier nicht gesprochen werden. „Gegeneinander“ ist das Gegenteil von Zusammenarbeit.

Am Beispiel von Bergsteigern wären das Einzelkämpfer, die alle das Ziel haben, als Erste einen Gipfel zu erklimmen und die auch vor Behinderung der Kontrahenten nicht zurück schrecken würden.

Nebeneinander

Menschen können Teil des gleichen Teams sein, dabei komplett nebeneinander (her an individuellen, persönlichen Zielen) arbeiten. Häufig ist das die Situation bei neu zusammengestellten Teams, vor allem wenn die Menschen des Teams auf diese Zusammenstellung und ihren Einsatz keinen Einfluss hatten. Es gibt aber auch Teams, in denen die Menschen schon lange nebeneinander gearbeitet und (trotzdem) ein gewisses Maß an Ergebnissen geliefert haben. In der Regel waren das dann Ergebnisse aus Einzelleistungen der Personen des Teams.

Am Beispiel von Bergsteigern wäre das eine Gruppe, die sich zusammen schließt, um nicht alleine den Gipfel erklimmen zu müssen, bei dem aber jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, jeder sein eigenes komplettes Equipment selbst tragen muss und keine weitere Zusammenarbeit besteht.

Miteinander

Wenn Menschen miteinander arbeiten besteht erstmals etwas, das ich im engeren Sinne als Team bezeichnen würde. Wichtiger als das Erreichen individueller und persönlicher Ziele ist das gemeinsame Team-Ziel, das von allen getragen und verfolgt wird. Im besten Fall sind persönliche Ziele und die des Teams im Einklang. Mindestens aber behindern sich die individuellen Ziele und Team-Ziele nicht. Die Team-Mitglieder arbeiten miteinander an den selben gemeinsamen Herausforderungen.

Am Beispiel von Bergsteigern verändert sich hier das Ziel. Es geht nicht mehr unbedingt darum, dass jeder den Gipfel erreicht, sondern dass mit gemeinsamer Kraft der Gipfel überhaupt erreicht wird. Die Bergsteiger bringen sich entsprechend ihrer Stärken ein, Equipment wird sinnvoll verteilt, das Team ist gemeinsam unterwegs.

Füreinander

Menschen, die im Arbeitskontext füreinander arbeiten, haben aus meiner Sicht die „höchste Form“ der Zusammenarbeit erreicht. Die hoch performanten Teams, die ich erlebt habe, haben füreinander gearbeitet. Hier nehmen sich Menschen zurück, um andere Menschen oder das gesamte Team strahlen zu lassen. In diesen hoch performanten Teams steht das gemeinsame Ziel im Vordergrund und die Team-Mitglieder sind achtsam bezüglich der anderen Menschen im Team. Jeder würde eine Extrameile für die anderen Menschen im Team gehen und eigene Interessen werden dem gemeinsamen Ziel untergeordnet, spielen im Vergleich zum gemeinsamen Ziel mindestens eine untergeordnete oder gar keine Rolle mehr. Das Team-Ziel ist zum individuellen Ziel geworden.

Am Beispiel von Bergsteigern wäre das eine Gruppe, die nicht nur das gemeinsame Ziel der Gipfelbesteigung vor Augen hat und unablässig verfolgt, sondern die auch das Ziel hat, dass alle gemeinsam wohlbehalten den Gipfel erreichen.

Spitzenleistung

Von guter Zusammenarbeit kann man sprechen, wenn Menschen miteinander arbeiten. Teams, deren Menschen miteinander arbeiten, bringen in der Regel gute Ergebnisse. Ich habe auch einige Teams erlebt, die Spitzenleistungen erbracht haben. Auch wenn hier Rahmenbedingungen und die Menschen in den Teams völlig unterschiedlich waren – was alle diese Teams gemeinsam hatten: Hier haben die Menschen nicht nur miteinander, sondern füreinander gearbeitet.

Und jetzt?

Da komplexe Probleme nicht von einzelnen Personen gelöst werden können, wird die Arbeit in Teams immer wichtiger. Gleichzeitig wird die Entwicklung von Teams häufig dem Zufall überlassen. Von Menschen wird erwartet, das „schon irgendwie selbst hinzubekommen“. Mitarbeitende in Teams sehen es aber häufig nicht als ihre Aufgabe, für ein gutes Miteinander oder eine Zusammenarbeit füreinander zu sorgen und Manager aus der Linie fühlen sich häufig durch Matrix-Strukturen nicht „zuständig“ oder sind hoffnungslos überfordert.

Auch in agile(re)n Organisationen, die sich für die Prozesse und Zusammenarbeit Berater, Coaches, vielleicht Scrum Master oder ähnliche Rollen leisten, fehlt häufig die Erfahrung und das Verständnis, was getan werden kann und muss, um Hochleistungsteams entstehen zu lassen.

In meinem nächsten Beitrag gehe ich auf zwölf Themenfelder ein, die betrachtet und kontinuierlich verbessert werden können und sollten, um Teams bei ihrer Entwicklung von einem „Gegeneinander“ über ein „Nebeneinander“ hin zum „Miteinander“ und „Füreinander“ zu unterstützen.

(Das Bild ist von Andrew E. Larsen – vielen Dank!)

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