Kennst du die Situation? In einem Meeting wird eine Idee präsentiert, die du vorsichtig ausgedrückt für suboptimal hältst. Deine Chefin schaut in die Runde und fragt freundlich lächelnd: “Was denkt ihr dazu? Haut alles raus! Wir wollen eure echte, ungeschönte Meinung.” Du lächelst zurück, nickst kurz und sagst: “Ein interessanter Ansatz, da stecken spannende Potenziale drin. Wir sollten das mal genauer betrachten.“
Aktuell wird uns das in Literatur und den sozialen Medien genau so verkauft. Wer die eigenen Gedanken nicht ausspricht hat Angst. Wir müssten nur die “Psychologische Sicherheit” (nach Amy Edmondson) erhöhen, und schon würden alle wie im Wahrheitsrausch ihre innersten Überzeugungen teilen. Und wenn wir die psychologische Sicherheit haben, dann fehlt den menschen schlichtweg das nötige Rückgrat. Oder?
In einem der letzten Artikel „Das Märchen von der Psychologischen Sicherheit“ habe ich bereits beschrieben, dass dieses Konzept oft als bloßes Wohlfühl-Instrument missverstanden wird. Ich habe argumentiert, dass echte Sicherheit kein Kuschelkurs ist, sondern eine harte Voraussetzung für Fehlertoleranz und Lernen. Heute gehe ich noch einen Schritt weiter und stelle die Frage: Ist es überhaupt erstrebenswert, dass wir immer alles sagen, was wir denken? Oder ist das, was oft als “Mangel an Mut” dargestellt wird, in Wahrheit eine hochgradig funktionale soziale Kompetenz? Ist deine professionelle Zurückhaltung vielleicht ein letzter Schutzwall deiner individuellen Freiheit in einer Arbeitswelt, die immer mehr auf dein Innerstes zugreifen möchte?
Sicherheit als Pflicht ist paradox
Es ist doch irgendwie seltsam, oder? Wir fordern in modernen Arbeitsumfeldern Psychologische Sicherheit, gehen davon aus, dass sie die wichtigste Grundlage guter Zusammenarbeit ist und stellen sie als Befreiung von alten Strukturen von Zusammenarbeit dar. Und wir wollen damit Menschen zur Offenheit zu bewegen. Wenn aber diese Sicherheit dazu führt, dass Schweigen als Misstrauen, Feigheit oder “mangelndes Engagement” ausgelegt wird, dann ist sie das Gegenteil von sicher. Echte Sicherheit müsste nämlich auch die Sicherheit beinhalten, sich nicht äußern zu müssen.
Es gibt gute Gründe, warum wir Dinge für uns behalten. Diese Gründe können als taktisches Kalkül in der aktuellen Situation liegen, sie können aber auch tief in der menschlichen Psyche und individuellen Erfahrungen aus der Vergangenheit verwurzelt sein. Wenn du dich aus persönlichen Gründen gerade nicht wohl dabei fühlst, dein Innerstes nach außen zu kehren und genau das zu sagen, was du denkst, dann ist das dein gutes Recht. Eine Organisation, die dieses Recht nicht respektiert, betreibt keinen Kulturwandel, sondern eher eine Form von psychologischer Enteignung.
Vielleicht ist also die Forderung nach psychologischer Sicherheit und Ehrlichkeit ein Übergriff der Organisation auf das Individuum. Wenn wir gezwungen sind oder zumindest die generelle Erwartung besteht, immer “ehrlich” zu sein, verlieren wir das Recht auf unser Inneres als Bereich unserer eigenen Freiheit.
Die Illusion der Machtfreiheit
Beginnen wir mit etwas, das viele im Kontext von agile-, modern- oder New-Work gerne ausblenden. Ob sie oder wir es wollen oder nicht, Machtasymmetrie kann nicht wegdefiniert werden. Soziologisch gesehen ist eine Organisation kein herrschaftsfreier Raum, egal wie flach die Hierarchien auf dem Papier sein mögen. Solange eine Person über die Ressourcen einer anderen entscheidet, über dein Gehalt, deine Beförderung oder auch nur die Zuweisung spannender Projekte, bleiben Restrisiken bestehen.
Und unser limbisches System ist ein hervorragender Buchhalter. Es weiß ganz genau, dass Psychologische Sicherheit kein Naturgesetz ist, sondern eine temporäre Zusage. Wenn die Quartalszahlen einbrechen oder die Führungskraft einen schlechten Tag hat, kann die eingeforderte Ehrlichkeit von gestern heute schon als “mangelnde Loyalität” oder “destruktive Kritik” ausgelegt werden.
Wir können das als “Mietzahlung der Kommunikation” bezeichnen. Du zahlst einen Teil deiner Authentizität als Miete für die Stabilität deines Arbeitsplatzes. Das ist kein moralisches Versagen, sondern eine rationale ökonomische Entscheidung. Wer so tut, als könne man Macht durch ein paar Teambuilding-Workshops wegzaubern, handelt entweder naiv oder manipulativ. Wahre Sicherheit wäre für Mitarbeitende vielleicht eher die Garantie einer bedingungslosen, hohen Abfindung im Falle einer Kündigung, als das Versprechen, man dürfe “alles sagen”.
Wenn das Ich zur Arbeitskraft wird
Ein weiterer Aspekt wird oft übersehen. Die Soziologin Arlie Hochschild nannte das bereits in den 80er Jahren “Emotionsarbeit” (Emotional Labor) . Ursprünglich untersuchte sie Flugbegleiterinnen, die lächeln mussten, auch wenn die Passagiere unhöflich waren. Heute hat diese Emotionsarbeit auch unsere Büros, Teams-Channels und Zoom-Calls infiltriert.
Wenn eine Organisation fordert, dass man sein ganzes Ich zur Arbeit mitbringt, dann klingt das erst einmal befreiend. Doch bei genauerer Betrachtung ist es ein totalitärer Anspruch. Denn die Organisation will natürlich nicht dein ganzes Ich. Sie will nicht deinen Liebeskummer, deine existenziellen Zweifel oder deine Abneigung gegen manche Kolleg:innen oder das Team-Event am Freitagabend. Sie will die “optimierte Version” deines Ichs und das ist engagiert, verletzlich (aber nur an den richtigen Stellen), empathisch und natürlich stets “psychologisch sicher”.
Das bedeutet also, dass du deine Gefühle aktiv managen musst, um dem Idealbild der Organisation zu entsprechen. Wenn du dich gezwungen fühlst, deine “Ehrlichkeit” zu zeigen, wirst du sehr wahrscheinlich anfangen, diese Ehrlichkeit zu inszenieren.
- Du teilst eine “kontrollierte Schwäche”, um authentisch zu wirken.
- Du filterst deine Kritik so, dass sie als “konstruktives Feedback” durchgeht, damit du nicht als Querulant giltst.
Diese ständige Selbstüberwachung ist anstrengend. Da wird die professionelle Maske zu einer Erleichterung. Sie ist eine Schutzzone. Wenn du nur deine “Rolle” mit zur Arbeit bringst, bleibt dein eigentliches “Ich” geschützt zu Hause. Die Forderung nach totaler Offenheit ist somit ein schwerwiegender Übergriff. Die Organisation kolonisiert dein Innenleben und macht es zur produktiven Ressource.
Die Fassade als notwendiger Schmierstoff
Wenn man diese Situationen sachlich und systemtheoretisch betrachtet, kann man hier nach dem psychischen System (dem Denken und Fühlen der Menschen) und dem sozialen System (der Kommunikation) unterscheiden. Diese beiden Systeme sind füreinander “Umwelt”. Sie können sich gegenseitig anregen, aber sie können niemals eins werden. Und das ist ziemlich gut so. Organisationen funktionieren nur deshalb so effizient, weil sie die ungeheure Komplexität der beteiligten Menschen radikal reduzieren.
Stell dir vor, jeder würde in jedem Meeting ungefiltert seine Gedanken äußern. Stell dir vor, jeder würde immer jede andere Sichtweise thematisieren. Der Ärger über den kalten Kaffee, die subtile Abneigung gegen die Wortwahl des Kollegen, die Zweifel an der Sinnhaftigkeit einzelner Entscheidungen oder gar des gesamten Marktkapitalismus. Das System würde sofort in einem “Kommunikationsinfarkt” kollabieren. Die Schauseite der Organisation ist das, was offiziell gesagt und gezeigt wird. Und das ist kein Betrug, sondern eine funktionale Notwendigkeit. Sie erlaubt es uns, sachlich zu kooperieren, ohne dass unsere privaten Neurosen uns und den anderen ständig im Weg stehen. Wenn wir die Grenze zwischen “Mensch” und “Rolle” auflösen, verlieren wir die Distanz, die professionelles Arbeiten erst ermöglicht.
In jeder Organisation gibt es Dinge, die man tut, obwohl sie offiziell nicht vorgesehen sind, um Ziele zu erreichen. Niklas Luhmann nennt das „brauchbare Illegalität“. Und ich würde sagen, dass es auch eine „brauchbare Unwahrheit“ gibt. Das taktische Schweigen gegenüber dem Vorgesetzten oder auch gegenüber den Kollegen schützt wichtige Prozesse und Ziele vor Störungen durch Konflikte, endlose Diskussionen oder Mikromanagement. Oft ist das ein Akt höchster Loyalität gegenüber der Sache selbst.
Solche Verhaltensweisen sind tief in unseren Schutzmechanismen verwurzelt. Menschen lügen oder schweigen täglich aus Motiven wie Selbstschutz, Angst vor Ablehnung oder Konfliktvermeidung. Das ist adaptives Verhalten, das Beziehungen stabilisiert und im Job sogar funktional Ziele sichert. Studien zeigen, dass bis zu 45% der Mitarbeiter im Beruf tricksen oder vertuschen, um Misserfolge zu kaschieren oder Harmonie zu wahren. Gleichzeitig verstößt das gegen ein Dogma der absoluten Ehrlichkeit und Transparenz.
Die Schönheit der strategischen Ambiguität
Eric Eisenberg spricht in der Kommunikationswissenschaft von der “Strategischen Ambiguität”. Das Konzept besagt, dass es oft klüger ist, sich vage auszudrücken, als absolut klar und ehrlich zu sein. Hintergrund ist, dass Klarheit trennt. Wenn du deine Meinung glasklar und “ehrlich” auf den Tisch legst, zwingst du dein Gegenüber zur Positionierung. Das erzeugt Fronten.
Wenn wir stattdessen eine gewisse Unschärfe zulassen, beispielsweise ein diplomatisches Schweigen oder das höfliche Nicken, schaffen wir einen Interpretationsspielraum. In diesem Raum können verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ansichten trotzdem gemeinsam an einem Ziel arbeiten, weil jeder seine eigene Deutung der Situation behalten darf. Das Verschweigen von Gedanken ist also oft kein Mangel an Mut, sondern so etwas wie Konfliktmanagement durch Unterlassung. Wir schützen die Arbeitsfähigkeit des Teams, indem wir nicht jede Differenz thematisieren.
Das Abilene-Paradoxon und die Harmoniefalle
Gleichzeitig führt Druck zur psychologischen Sicherheit manchmal paradoxerweise auch zu weniger echter Information. In der Gruppendynamik gibt es das Abilene-Paradoxon. Es beschreibt eine Situation, in der eine Gruppe eine Entscheidung trifft, die eigentlich keinem der Beteiligten gefällt, nur weil jeder glaubt, die anderen fänden sie gut. Es geht dabei darum, die “Harmonie”, oder auch die “Sicherheit” nicht zu stören.
Wenn “Ehrlichkeit” als moralische Pflicht eingefordert wird, trauen wir uns oft nicht mehr zu sagen: “Ich habe gerade keine Lust auf diese Diskussion” oder „”Ich finde das Thema irrelevant”. Stattdessen produzieren wir “pseudokonstruktive” Beiträge, um als gute Teamplayer dazustehen. Wir lügen also nicht aus Angst vor dem Chef, sondern aus Angst, die mühsam konstruierte “Sicherheit” der Gruppe zu gefährden.
Das Recht auf die “Rolle”
Auch herausfordernd ist die Anforderung, immer authentisch sein zu müssen. Warum wird “Authentizität” heute so massiv eingefordert? Vielleicht kann man es damit erklären, dass eine Verschiebung stattfindet.
Betrachtet man die klassische Industrieära, haben sich die Organisationen im Grunde nur für deine Hände interessiert. Der Mensch spielte zwar eine Rolle (zum Beispiel in den Aufgaben an einem Fließband), aber nach 8 Stunden konnte man die Rolle abgeben. Der Organisation war das Innere der Menschen egal.
In der Kreativ- und Wissensökonomie heute reicht das in der Regel nicht mehr. Die Organisation braucht die Kreativität, das explizite und implizite Wissen, die Leidenschaft, die Intuition. Um an diese Ressourcen ranzukommen, muss die Organisation einige Ebenen tiefer gehen und fordert damit, dass die Menschen als “ganze Menschen” präsent sind.
Das kann schnell problematisch werden. Denn wer als ganzer Mensch inkludiert wird, ist auch als ganzer Mensch kritisierbar. So lange man nur eine Rolle spielt, so lange man in der Organisation nur Projektmanagerin, Analystin oder HR-Mitarbeiter ist, ist man als Mensch dahinter geschützt. Die Kritik an den Arbeitsergebnissen trifft dann nur die Rolle. Wenn stattdessen das ganze, das “authentische” ich eingebracht wird, dann trifft Kritik auch die ganze Person. Eine Maske ist also nicht nur ein Versteck, sondern auch ein Schutzschild gegen hohe emotionale Belastung und letztendlich Burnout. Uns gelingt es in Rollen einfacher, Kritik zu objektivieren.
Plädoyer für Professionelle Distanz
Aus meiner Sicht sollten wir “psychologische Sicherheit” neu definieren. Sie sollte nicht gesehen werden als die Freiheit, alles sagen zu müssen, sondern als die Sicherheit, sich auch professionell abgrenzen zu dürfen. Echte Sicherheit in einer Organisation würde dann bedeuten, dass ich nicht gezwungen werde, mich zu offenbaren. Dass mein Schweigen respektiert wird. Dass mein taktisches Kalkül als Kompetenz und nicht als Angst oder Feigheit gewertet wird.
Vielleicht erklärt es dieses Beispiel: Eine gute Chirurgin am OP-Tisch muss nicht “authentisch” sein. Sie muss keine “psychologische Sicherheit” nutzen, um über ihren Zweifel an ihrem Talent zu sprechen, während sie am offenen Herzen arbeitet. Sie muss ihre Rolle perfekt beherrschen. Ihre Professionalität entsteht auch aus der Distanz zu ihren ganz eigenen, inneren, privaten Impulsen. Wir vertrauen ihr gerade aufgrund und nicht trotz ihrer Maske. Professionalität bedeutet also auch, die eigenen Gefühle im Dienst der Sache zu parken und sich auf die Rolle zu konzentrieren.
Der Knigge für professionelle Distanz
Natürlich ist es auch hier wie so oft eine Frage der Balance. Abhängig von Unternehmen, Situation, direktem Umfeld und Aufgabe braucht es mal mehr direkte, offene und ehrliche Ansprache und mal weniger. Und echte “psychologische Sicherheit” beinhaltet auch, dass man nicht offen und ehrlich sein muss, im Sinne der Sache oder auch im Sinne des Selbstschutzes. Wie navigiert man dann durch diesen Dschungel aus Ehrlichkeit und Selbstschutz? Hier ein paar Ideen, um professionelle Distanz zu wahren, ohne die Zusammenarbeit zu gefährden.
- Hoheit über Selbstoffenbarung: Du allein entscheidest, was du von dir preisgibst. Wenn in einer “Check-in-Runde” nach deinem emotionalen Befinden gefragt wird, ist es völlig legitim, eine “Rollen-Antwort” zu geben und nicht als “ganzer Mensch” zu reagieren. Niemand muss sich selbst offenbaren. “Als Projektleiterin bin ich heute fokussiert auf das Ziel X.”
- Kein Zwang zur Authentizität: “Authentisch sein” bedeutet nicht, ungefiltert alles rauszuhauen. Wahre Authentizität ist die Übereinstimmung deiner Handlungen mit deinen Werten, die sich auch zwischen Privatleben und Arbeitsleben unterscheiden können. Und einer deiner Werte darf “Diskretion” oder “Schutz der Privatsphäre” sein.
- Wahre die Form: Höflichkeit, Etikette und professionelle Distanz int keine veraltete Schule, sondern Schutzmechanismen. Sie ermöglichen Zusammenarbeit zwischen Menschen, die sich nicht mögen müssen.
- Respektiere das Schweigen anderer: Wenn Kolleg:innen sich nicht äußern, sollte nicht im Sinne von Gerechtigkeit (“es sagen alle etwas”) und auch nicht nur aus gut gemeinter Neugierde nachgebohrt werden. Akzeptiere, dass Personen gerade Gründe haben, ihre Gedanken für sich zu behalten. Das ist die höchste Form der Wertschätzung.
Leitplanken für Führungskräfte
Wenn du eine Führungskraft bist und wirklich psychologische Sicherheit fördern willst, ohne die Privatsphäre deiner Leute zu verletzen, dann sollten ein paar Leitplanken beachtet werden.
- Schütze das Recht auf “Nicht-Antwort”: Mache explizit klar: “Ich stelle diese Frage in die Runde, aber es ist völlig okay, wenn man sich nicht dazu äußern möchte.” Sicherheit entsteht, wenn es keinen Zwang gibt, auch keinen, sich zu äußern.
- Rolle vor Person: Frage nicht: “Wie fühlst du dich mit der Entscheidung?” Frage lieber: “Was bedeutet diese Entscheidung für deinen Verantwortungsbereich?” Gib deinem Team die Chance, professionell zu antworten.
- Akzeptiere die Fassade: Hör auf, “echte Authentizität” zu fordern. Wenn jemand seine Rolle gut spielt, ist das eine Form von Professionalität. Die Fassade ist kein Hindernis, sie ist der Schutzraum für die Position und ermöglicht eine professionelle Zusammenarbeit.
- Thematisiere Schweigen wertfrei: Statt zu fragen: “Warum sagst du nichts?” wäre “Ich merke, wir haben hier noch ungeklärte Punkte. Es ist völlig okay, wenn wir die heute nicht im großen Kreis lösen.“ ein besserer Weg.
- Machtasymmetrie anerkennen: Sei dir bewusst, dass du niemals “völlige Sicherheit” garantieren kannst, solange du die Macht hast. Diese Demut macht dich zu einer besseren Führungskraft als das Versprechen einer heilen Welt.
Wahre Freiheit am Arbeitsplatz
Wir müssen aufhören, psychologische Sicherheit als ein Werkzeug zu betrachten, das Menschen “auslesbar” macht, gerade in modernen Organisationen der Kreativ- und Wissensökonomie. Wenn eine Organisation verlangt, dass wir unsere Masken komplett fallen lassen, nimmt sie uns die Freiheit, uns selbst zu schützen. Sie macht uns gläsern, sehr angreifbar und verletzlich und auch manipulierbar. Psychologische Sicherheit darf nicht dazu dienen, jeden Winkel jeder Psyche auszuleuchten. Sie sollte ein emergent entstehender Schutzschirm sein, unter dem Menschen sicher und professionell arbeiten können, egal, ob sie gerade ihr ganzes Herzblut einbringen, oder einfach nur professionell ihre Rollen erfüllen.
Wahre Freiheit am Arbeitsplatz bedeutet nicht, dass Menschen alles sagen müssen. Wahre Freiheit bedeutet, dass sich alle sicher sein können, dass sowohl Reden, als auch Schweigen keine negativen Konsequenzen haben. In professionellen Organisationen arbeiten Menschen in ihren Rollen professionell an ihren eigenen und gemeinsamen Aufgaben und liefern großartige Ergebnisse, auch ohne immer authentisch oder ehrlich und vor allem ohne als “ganze Menschen” dabei zu sein zu müssen.
Was wäre, wenn die Qualität deiner Zusammenarbeit nicht daran gemessen würde, wie viel ihr euch gegenseitig sagt, sondern daran, wie respektvoll ihr mit dem umgeht, was ihr euch auch nicht sagt? Professionalität braucht immer wieder Distanz. Und Distanz braucht Masken. Es ist also wichtig, dass wir diese Möglichkeit der Abgrenzung in Organisationen erhalten, um ein gesundes und professionelles Miteinander zu ermöglichen.
(Das Bild ist mit Google Gemini generiert.)