Warum es Spaß machen sollte

In meinem Workshop zur Scrummaster-Zertifizierung mit Jospeh Pelrine nannte er zu Beginn als eine seiner drei Hauptregeln: „Macht es keinen Spaß, machst du etwas falsch.“ Oft hört man aber in Unternehmen vor allem dann, wenn es in irgendeiner Form eng oder kritisch wird, das Leben sei kein Ponyhof und man sei ja nicht zum Spaß da. Kann man aber wirklich auf Spaß bei der Arbeit verzichten?

Meine Erfahrung bei der Einführung agiler Methoden ist eine Leistungssteigerung alleine durch die Einführung eines neuen Prozesses. Schon durch das Neue hatte ein Großteil der Mitarbeiter deutlich mehr Spaß bei der Arbeit. Der vor 30 Jahren in den USA tätige ungarische Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi stellte in seinen Versuchen fest, dass sich vor allem dann ein Glücksgefühl bei seinen Probanten einstellte, wenn bei ihnen ein gewisser Fluss bestand. Das nannte er dann den Flow und die Rahmenbedingungen für diesen Flow nannte er den Flowkanal.  Ein gewisser Flow entsteht im Projektmanagement unter anderem dann, wenn ein oft eher chaotischer „Self-Made-Projektmanagement-Prozess“ durch einen stringenten anderen Prozess mit klareren Verantwortlichkeiten, Regeln und Aufgaben getauscht wurde. Außerdem entsteht dieser Flowkanal laut Csikszentmihalyi auch „wenn Fähigkeiten und Herausforderungen in Einklang sind. Sind die Fähigkeiten hoch, die Herausausforderungen und Aufgaben dagegen gering, so stellt sich rasch Langeweile ein. Übersteigen die Herausforderungen aber die Fähigkeiten, dann entsteht schnell Stress und Angst.“

In seinem PM-Blog schreibt Autor Dr. Stefan Hagen im Artikel „Das Flow-Prinzip im Projektmanagement“ zum Thema Führung und Flow:

  • Das Management komplexer Projekte ist eine anspruchsvolle Führungsaufgabe.
  • Führen heißt dienen. (“servant leadership“)
  • Führung achtet vor allem auf die Einhaltung von Spielregeln, sie schafft Orientierung und hilft, mit Komplexität richtig umzugehen.
  • Innerhalb dieses Rahmens agieren Teams selbstorganisiert.
  • Gute Führungskräfte schaffen bewusst heterogene Teams (“diversity”). Sie sind sich aber bewusst, dass das Führen solcher Teams wesentlich anspruchsvoller ist.
  • Gute Führung schafft es, Teams regelmäßig in einen Flow-Zustand zu bringen. Dadurch entstehen Höchstleistungen.

Außerdem rückt er die Emotionen stärker in den Mittelpunkt. In den meisten Unternehmen würden Entscheidungen häufig auf Basis vermeintlich objektiver, rationaler und nachvollziehbarer Grundlagen getroffen, die Realität sei aber anders:

Tatsächlich funktionieren soziale Systeme wie Unternehmen oder auch Projekte nämlich höchst emotional und alles andere als rein rational. Emotionen sind es, die unser Leben ausmachen. Und dies nicht nur in der Freizeit, sondern natürlich auch im geschäftlichen Umfeld. Was aber ist die Konsequenz?

Gute Führung schafft es, die Potenziale von Menschen zu wecken, zu fördern und den Gemeinschaftssinn (“team spirit”) zu stärken. So (und nicht anders!) können komplexe Aufgaben effizient und effektiv bewältigt werden.Dr. Stefan Hagen

Mit dem Wechsel hin zu agilen Methoden wie zum Beispiel Scrum erreicht man vor allem dann einen ersten Motivationsschub, wenn der Prozess zuvor als wenig angenehm betrachtet wurde. Der Spaß aber muss weiter bestehen bleiben, um dauerhaft leistungsfähige Mitarbeiter zu haben. Ein wichtiger Bestandteil in der Führung von Teams ist es also dafür zu sorgen, dass sich möglichst viele Mitarbeiter möglichst oft in einem ausgeglichenen Flowkanal befinden. Gleichzeitig ist es natürlich auch hilfreich, wenn Mitarbeiter selbst sich und ihre Fähigkeiten kennen, um selbst ihren Teil dazu beizutragen, sich möglichst häufig in diesem Flowkanal zu bewegen. Es sollte also möglichst vielen möglichst viel Spaß machen, weil das die beste Grundlage für motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter ist.

Übrigens: Für alle, die lieber Zahlen haben, hat Wolff Horbach (Autor des Buchs „77 Wege zum Glück„) eine Beispielrechnung aufgemacht, was ein Unternehmen ein unmotivierter Mitarbeiter ohne Spaß kosten kann.

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