Scrum Master: Vertrauen schaffen

Häufig bin ich mit der Frage konfrontiert, was ein Scrum Master eigentlich macht und ob die Arbeit eines Scrum Masters wirklich so viel Arbeit ist. Die Aufgabe des Scrum Masters ist es, idealerweise hochperformante Teams zu entwickeln. In dem Zusammenhang habe ich mich gefragt, was die wenigen wirklich guten Teams ausgemacht hat, die ich erlebt habe und bin zu dem Schluss gekommen, dass es vor allem die Art ist, in der das Team zusammengearbeitet hat.

Richtig klar geworden ist es mir, nachdem ich den Beitrag „Becoming a „Move Together“ Team“ von Len Lagestee gelesen habe. Die wirklich guten und produktiven Teams, in denen das Arbeiten überdurchschnittlich viel Spaß gemacht hat, bewegten sich auf einer Basis von gegenseitigem Vertrauen und die Mitarbeiter hatten alle ein hohes Einfühlungsvermögen und jedem war das Wohlergehen der anderen Teammitglieder wichtig. Das am Besten zusammen arbeitende Team bestand aus Mitarbeitern, die teilweise schon vor der Arbeit in diesem Team eng befreundet (und teilweise liiert) waren.

Eine der wichtigen und anspruchsvollen Aufgaben eines Scrum Masters ist es, innerhalb des Teams für Vertrauen zu sorgen und eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der die Mitarbeiter sich um das Wohlergehen der anderen Mitarbeiter im Team sorgen. Mit der Entwicklung dieser Basis sollte ein Scrum Master direkt beim Start eines neuen Teams anfangen. Ein Team, das auf der Basis nicht funktioniert, wird bestenfalls mit sehr hohem Aufwand wieder Vertrauen und einen empathischen Umgang gewinnen und damit immer hinter seinen Möglichkeiten zurück bleiben. Manchmal ist in solchen Situationen ein kompletter Neustart eines Teams ein Ausweg über den man nachdenken sollte, um neu Anzufangen und eine gute Basis zu schaffen.

Wenn nach einem guten Start die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit geschaffen sind, dann muss man diese Grundlage erhalten und weiter ausbauen in jedem Meeting, bei jeder Veranstaltung, in jeder Art der Zusammenarbeit – ganz besonders natürlich in der Retrospektive, in der und durch die ein Scrum Master für Klarheit und eine positive Feedbackkultur sorgen kann. Und der Scrum Master hat die anspruchsvolle Aufgabe, das im Blick zu haben, zu fördern und auszubauen. Das geht nicht nebenbei und auch deswegen kann ein guter Scrum Master sicher mehr als ein Team managen, ein großartiger kann das nicht.

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  1. Es ist erfreulich, dass „Vertrauen“ wieder mehr ins Bewusstsein rückt.
    Ein wesentliches Element der Komplexitätsreduktion nämlich ist – gemäss Luhmann – das Vertrauen: „Vertrauen ist stets in die Zukunft gerichtet. … im Akt des Vertrauens (wird) die Komplexität der zukünftigen Welt reduziert… Vertrauen erschließt durch die Reduktion von Komplexität Handlungsmöglichkeiten, die ohne Vertrauen – nach Luhmann – unwahrscheinlich und unattraktiv geblieben und somit nicht zum Zuge gekommen wären“
    (Siehe Tavra, Dijana: Vertrauen als Mechanismus der Reduktion von Komplexität; Universität Bern Sozialanthropologisches Institut, http://tinyurl.com/a62hqaw und Luhmann, Niklas: Vertrauen: Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Kom-plexität. UTB, Stuttgart, 2000)

    Ausgehend von Luhmann geht es also nicht so sehr darum, „besser“ mit dieser sich durch den Verlust an Vertrauen verstärkt – oder gar als überfordernd – wahrgenom-menen Komplexität so umzugehen, dass wir jederzeit flexibel und mit kurzfristig wechselnden Zielen in unserer Welt leben können sondern eher darum, wie wir wie-der mehr Vertrauen zu Personen, Rollenträgern, Teams, Normen, Organisationen, Strukturen und Prozessen erlangen. Und Vertrauen erlangen wir durch direkte und persönliche Kommunikation und Kooperation.

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