No Data Driven Management

Peter Ferdinand Drucker war ein großer amerikanischer Ökonom und gilt als Pionier der modernen Managementlehre, als unabhängiger Denker. Von seinen 35 Büchern wurden mehr als fünf Millionen verkauft und seine Zitate finden sich in verschiedensten Vorträgen und Blog-Beiträgen. So auch hier.

Wenn du es nicht messen kannst, kannst du es nicht managen.

Ich wäre der letzte, der einen Vorreiter wie Drucker in Frage stellen würde – im Gegenteil. Und auch bei diesem Zitat gehe ich mit. Allerdings ist „Messen“ nicht die Lösung für alle unsere Probleme. Warum? Das ist relativ einfach. Weil sich nicht alles messen lässt und weil in komplexen Umgebungen Management nicht hilft.

Was bedeutet denn managen? Übersetzt heißt „to manage“ schlicht verwalten. Ja, ohne Daten fällt Verwaltung schwer. Der Haken – verwalten ist eine rein blaue Aktion, die nicht in einer komplexen roten Welt hilft. Arbeiten in und mit Komplexität lässt sich nicht verwalten. Deswegen brauchen wir auch kaum Management und nur wenige Manager – wir brauchen kaum Verwaltung und bestenfalls wenige Verwalter.

 

Daten alleine haben wenig Wert

Trotzdem spielt Data Driven Management in Unternehmen eine immer größere Rolle. Es werden mehr und mehr Daten gesammelt, gespeichert, ausgewertet. Vom Net Promoter Score über KPI für die individuelle Performance bis hin zu A/B Tests und Ähnlichem wird alles gemessen, was irgendwie geht. Manchmal ist das durchaus sinnvoll, zum Beispiel wenn es um relativ klare Größen wie Revenue oder Ausgaben geht. In anderen Fällen ist aber Messen weniger wichtig, weil Zahlen alleine nicht immer helfen. Sie beschreiben meistens nur einen Ausschnitt eines gegenwärtigen bzw. vergangenen Zustands – echte Zusammenhänge und Hintergründe müssen anschließend auf Basis von Zahlen interpretiert werden.

Warum versuchen wir eigentlich, nahezu alles in Unternehmen zu messen? Die einzige Antwort, die mir einfällt ist, dass es uns ein Gefühl von Kontrolle gibt, aber das ist ein Trugschluss. Zahlen vermitteln Sicherheit, die es nicht gibt. Und damit haben die Zahlen alleine einen geringen Wert. Wirklich größer wird der Wert auch nicht durch eine Verknüpfung und Interpretation von Zahlen, weil jede Interpretation erst mal nur eine Annahme ist, die sich beweisen muss. Wert entsteht erst, wenn Zahlen und deren Interpretation sich beweisen und anschließend von einer Erkenntnis gesprochen werden kann. Wir brauchen also Erfahrung, um aus Zahlen und Interpretationen erfolgreiche Schlüsse zu ziehen.

 

Nächstes Problem ist, dass sich manche Dinge einfach nicht messen lassen oder dass manche anderen Messungen nicht sinnvoll sind. Effizienz von Teams lässt sich nicht sinnvoll messen. Welchen Wert hätte das auch? Oder wie sieht es mit dem Einsatzwillen von Mitarbeitern aus? Wie sollte man messen, wie motiviert und erfüllt ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz ist? Und wie sollte man das vergleichen? Was würde irgendeine Zahl oder ein Durchschnittswert für das ganze Unternehmen aussagen? Und gleichzeitig ist der Einsatzwillen der Mitarbeiter eine entscheidende Größe für den Unternehmenserfolg.

Was wir eigentlich brauchen

Wir brauchen Erkenntnisse und nicht Zahlen. Wenn wir in komplexen Umgebungen unterwegs sind und es um Menschen geht, geht es maßgeblich um Beziehungen und da werden Zahlen und Graphen kaum der Komplexität der Realität gerecht. Was man hier braucht, sind Gespräche mit Mitarbeitern und Kunden, das sind relevante Fragen, aufmerksames Zuhören und Dankbarkeit für den Input als Ergebnis aus den Gesprächen.

Statt einer datengetriebene Verwaltung brauchen wir eigentlich eine erkenntnisgetriebene Entwicklung von, für und mit Menschen. Nur so entsteht Wert (für den Kunden). Deswegen plädiere ich für No Data Driven Management und möchte das No als „Not Only“ verstanden wissen. Daten zu sammeln und auszuwerten kann sehr wichtig und hilfreich sein, die Interpretation der Daten muss daran anschließen. Beides ist aber nur Mittel zum Zweck und Grundlage für mögliche Erkenntnisse, die aber erst nach konkreten Handlungen und Veränderungen entstehen können. Wichtiger als eine aufwändige und detaillierte Datenerhebung ist die Freiheit, Neues auszuprobieren um aus Erfahrungen zu lernen und in Kommunikation mit Menschen zu gehen.

Daten können und sollen helfen, dürfen aber nicht als Allheilmittel gesehen und eingesetzt werden und im schlimmsten Fall die direkte Kommunikation und Beschäftigung mit den Menschen ersetzen. Die Zeit und Kosten für die Datenerfassung, Auswertung und Interpretation müssen in einem Verhältnis stehen zum Investment für neue Ideen und je kleiner das Experiment wird um Erkenntnisse zu sammeln, um so weniger Aufwand muss in die Erhebung von Daten und deren Interpretation gesteckt werden.

Discovery Driven Development ist wichtiger als Data Driven Management.

 

(Das verwendete Titelbild ist von Ken Teegardin – vielen Dank!)

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