Mit Spaß haben Ernst machen

Vor mehr als zwei Jahren habe ich bereits über den Flow-Zustand der Glücksforscher und zu der Frage, warum es Spaß machen sollte bei der Arbeit, etwas geschrieben. Über ein Projekt eines großen deutschen Autoherstellers bin ich wieder auf das Thema gestoßen, das meiner Meinung nach weiterhin oft als Nebensächlichkeit abgetan, als unwichtig deklariert wird und damit nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es braucht. Spaß bei der Arbeit zu haben sollte deutlich ernster genommen werden.

Der großer deutsche Autohersteller hat das Projekt „The Fun Theory“ ins Leben gerufen und zeigt hier in einigen Beispielen, wie sehr der Spaß an Aufgaben das Verhalten von Menschen verändert.

Bei dem Versuch aus dem Video verwandelt ein Team die Treppenstufen in eine Klaviatur, die bei jedem Tritt einen Ton hinterlässt. Durch diesen erhöhten Unterhaltungswert beim haben 66% mehr Personen als sonst die Treppen anstatt der Rolltreppe benutzt.

 

Dass Mitarbeiter Freude an und bei ihrer Arbeit haben, ist ein wirtschaftlich relevanter Faktor. Konkret auf die Arbeit in agilen Teams bezogen haben sich verschiedene Personen dazu geäußert, warum es Spaß machen sollte.

Spaß haben: eine ernste Angelegenheit

Spaß zu haben ist eine durchaus ernste Angelegenheit, denn Spaß bei der Arbeit ist die beste Grundlage für motivierte, leistungsfähige und damit produktive Mitarbeiter und Teams. Ich habe selbst Teams erlebt, die überdurchschnittlich gut zusammen gearbeitet haben und sehr produktiv waren. Die Kollegen hatten auch überdurchschnittlich viel Spaß bei ihrer Arbeit.

Valerie Santillo schreibt in ihrem Blog Beitrag „Are you having fun?„:

When people are having fun, they like being at work and will engage more. This only makes for a better end product.

Wie wichtig Spaß bei der Arbeit ist und wie wenig das im Widerspruch dazu steht, die Arbeit dennoch ernst zu nehmen, zeigt sich in der Retrospektive, dem wichtigsten Meeting für die kontinuierliche Verbesserung und damit Performance-Steigerung von Teams. Hier ist „Spaß“ ein entscheidender Faktor. In der Retrospektive geht es oft um Themen, die keinen Spaß machen – das macht dieses Meeting schwierig genug. Wenn dieses Meeting keinen Spaß macht, nimmt das Engagement der Teilnehmer ab, kontinuierliche Verbesserung wird weniger und das Team bleibt irgendwann auf einem Niveau stehen, das wahrscheinlich hinter den Möglichkeiten des Teams zurück steht.

Catia Oliveira schreibt treffend in ihrem Blog-Beitrag „Scrum Master TIP #6 – Retrospectives (2)„, dass Menschen Retrospektiven hassen und es die Aufgabe des Scrum Masters ist dafür zu sorgen, dass sie Spaß machen.

So make your retrospectives fun. Less embarrassing, less formal, less painful. Make it easy for them to talk about failure. Make it easier for them to have fun and grow together.

Aber auch in Review-Meetings wird Spaß an dem Meeting zu einem höheren Engagement der Teilnehmer sorgen. Ian Mitchell äußert sich in ihrem Blog-Beitrag „Sprint Reviews in Practice“ zu dieser Chance.

Have fun! Bring cookies, drinks, and other refreshments. Consider interspersing the review with short activities or breaks for games. Pub-quiz type questionnaires are popular and I’ve even known small prizes to be given to the winners.

Bob Marshall wünscht sich, dass der Spaß an der Arbeit stärker in den Fokus gerückt wird, dass weniger über die Hyper-Produktivität und mehr über „Hyper-Joyful“ nachgedacht wird.

I don’t see joy being the explicit focus of much attention in the world of software and product development (or in many other theatres of work either, for that matter).
(…)
Who, in fact, can get a feel-good feeling about hyper-productivity? (…) Personally, I’d feel much happier if more folks talked a bit more about hyper-joyfulness – and a bit less about hyper-productivity.

Agile Coach Robert Galen schreibt in seinem Blog-Beitrag „The Agile Project Manager – Can agile teams get Burned Out?“ über sieben Ideen, die helfen können, einen Burn Out zu verhindern und eine davon heißt „Go Have Fun“.

My only stipulation is for them to have fun and get some decompression time.

In der Softwareentwicklung geht es um die Lösung komplexer Fragestellungen. Die Erledigung der Aufgaben wird noch komplexer, weil sie häufig nur noch in Team-Arbeit möglich ist. Mit Kunden, die häufig gar nicht so genau wissen, was sie wollen, ist die Grundlage für Fehler und Frustration perfekt und agile Methoden wie Scrum können hier helfen.

Rudi von der Made ist sich im Blog-Beitrag „Scrum is fun“ sicher, dass zwei Schlüsselfaktoren von Scrum hier Abhilfe schaffen und für Spaß bei der Arbeit sorgen.

The two key factors in Scrum that contribute to more fun are improved communication and increased involvement of the business.

Fazit

Spaß bei der Arbeit ist ein entscheidender Faktor, der möglichst in allen Meetings und bei allen Aufgaben vorhanden sein sollte. Die Verantwortung, für eine Spaß-bringende Arbeitsumgebung zu sorgen, lässt sich nicht auf einzelne Rollen beschränken, auch wenn Management-Rollen (wie das Management selbst oder Projektleiter, Scrum Master und Product Owner) den Spaß bei der Arbeit für ihre Mitarbeiter stärker im Fokus haben sollten.

Spaß bei der Arbeit lässt sich auch nicht losgelöst betrachten und verhält sich wie eine Spirale. Produktiv und damit erfolgreich sein sind meines Erachtens wesentliche Faktoren für Spaß bei der Arbeit. Gleichzeitig sorgt Spaß für eine höhere Motivation, mehr Einsatz und damit in der Regel für eine höhere Produktivität und mehr Erfolg. Umgekehrt führt fehlender Spaß zu Unproduktivität und Stagnation und das führt wiederum dazu, dass der Spaß bei der Arbeit weiter sinkt.

Der gute Vorsatz für 2014: Lasst uns aus menschlichen aber auch wirtschaftlichen Gründen Ernst machen mit „Spaß haben“ an und bei der Arbeit.

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