Manage Agile 2013 – (m)ein Fazit

Die noch recht junge Konferenz Manage Agile (in diesem Jahr fand sie zum zweiten Mal statt) liegt hinter mir und hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Neben spannenden Gesprächen zwischen den Vorträgen habe ich aus einer Reihe großartiger Keynotes und sehr guter Vorträge in Summe nicht nur viel Bestätigung, sondern auch viel Input zum Nachdenken erhalten. Mindestens die Kenntnis agiler Methoden und/oder agiler Wertesysteme schienen die Grundlage bei allen Teilnehmern zu sein. So konnte sich die „Manage Agile“ auf aus meiner Sicht fortgeschrittene Themen rund um Unternehmensorganisation konzentrieren. Was waren wichtige Punkte aus meiner Sicht?

Agilität bietet schnelle Reaktionsfähigkeit in einer komplexen Welt.

In einer Umfrage von McKinsey benennen 82% der befragten Manager von Unternehmen eine schnelle Reaktionsfähigkeit als die größte Herausforderung für Unternehmen. Agilität in Unternehmen erlaubt schnelle Reaktionsfähigkeit in einer komplexen Welt. Agile Methoden einführen und eine zugehörige Kultur etablieren kann also eine Antwort auf die größte Herausforderung von Unternehmen in dieser Zeit sein.

Die Mitarbeiter von morgen passen nicht zum Unternehmen von gestern.

Die neuen Mitarbeiter von heute und morgen sind bestens ausgebildet. Auf die früher eher gewinnmaximierende Haltung von Mitarbeitern folgen selbstbewusste und gut ausgebildete Talente, denen ein hohes Gehalt und Sicherheit weniger bedeutet, als der Sinn ihrer Arbeit selbst. Sie werden motiviert durch Autonomie und ausreichend Kompetenzen. Eine agile Unternehmenskultur bietet Freiheit für die Übernahme von Verantwortung und kompetente schnelle Entscheidungen von vielen hochqualifizierten Mitarbeitern.

Wer Agile Methoden einführt, der beginnt eine Veränderung der Organisation.

Die Einführung agiler Methoden in der Entwicklung kann bis zu einem gewissen Grad zu einer deutlichen Verbesserung sorgen. Dabei stößt man irgendwann an eine gläserne Decke, die man durchbrechen muss – eine Optimierung innerhalb der Entwicklungsteams reicht nicht aus. Unterstützung durch das Management ist spätestens ab dieser Stelle der Haupt-Erfolgsfaktor.

Mit der Veränderung der Organisation verändert sich auch die Aufgabe des Managements.

Das Management muss immer mehr unterstützend führen als die Arbeit zu organisieren. Es muss Visionen haben, Ziele formulieren, Rahmen geben und Mitarbeiter und Teams dazu ermächtigen, Aufgaben schnell und gut zu erledigen. Das Management in einer agilen Organisation muss maximale Handlungsvarietät ermöglichen und dabei für ausreichend Struktur sorgen. Innerhalb dieser Struktur muss es die Entstehung innerer Ordnung zulassen. Die richtungsgebende Führung steht über der reinen Organisation der Arbeit selbst. In der individuellen Personalentwicklung muss der Personalführer eine gemeinsame Ausrichtung und die individuelle Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter sicherstellen, sowie die Entwicklung agiler Werte (Openness, Respect, Focus, Commitment, Courage) fördern und für deren Erhalt sorgen.

Die Veränderung kann nach agilen Prinzipien durchgeführt werden.

Für den Weg zu einer agilen Organisation gibt es keine Blaupause. Es gibt Frameworks wie SAFe oder Agility Path, die im agilen Kontext ein Vorgehen für die Veränderung prozessual vorschlagen. Wichtiger als der gewählte Prozess selbst ist die Erkenntnis, dass eine agile Organisation ein bestimmtes Menschenbild und eine dazu passende Kultur braucht. Die Veränderung in vielen Unternehmen wird fundamental sein und große Veränderungen funktionieren nur in kleinen Schritten. Die Vision der neuen Organisation lässt sich man am besten in Iterationen mit kontinuierlichen Retrospektiven, einem klaren Plan und konkret priorisierten Maßnahmen verfolgen. Die Veränderung beschränkt sich dabei nicht auf Prozesse, sondern dreht sich im Wesentlichen um ein neues Wertesystem als Grundlage für eine neue Kultur.

Das Management spielt eine entscheidende Rolle bei der Veränderung.

Die Entwicklung eines neuen Wertesystems und einer neuen Kultur ist ohne den Rückhalt im Management nicht durchzuführen. Umso wichtiger ist es, die Manager da abzuholen, wo sie sind. Die Veränderungen müssen ihre eigentlichen Bedürfnisse erfüllen, damit sie die Veränderung mindestens unterstützen oder besser noch vorantreiben, die neuen Ideen vorleben und einfordern.

Das agile Manifest ist eine gute Grundlage für eine moderne Organisation.

Für eine agile Organisation gibt es kein einheitliches Muster. Entscheidender als die Definition von Prozessen oder der richtige Einsatz bestimmter Frameworks sind gemeinsam im Unternehmen gelebte Werte und eine Kultur von Freiheit und Sicherheit in der frühes Scheitern als Wert für kontinuierliche Verbesserung und hohe Flexibilität gesehen wird. Hieraus kann ein Gefühl für Eigenverantwortung entstehen und Selbstorganisation wird möglich.

Das Agile Manifest und die zwölf daran anknüpfenden Prinzipien basieren auf einem Wertesystem, das eine Antwort auf die neuen Herausforderungen für Unternehmen ist.

Mein Fazit aus und nach der Manage Agile:

Agiles Management bedeutet gutes Management. Die Unternehmen von heute müssen Antworten auf veränderte Herausforderungen des Markts und der Generation Y haben. Einfache Arbeiten werden zunehmend durch technische Lösungen automatisiert. Bei stark wissensbasierten Arbeiten rücken die sehr gut ausgebildeten Menschen in den Mittelpunkt.

Letzten Endes kann man alle wirtschaftlichen Vorgänge auf drei Werte reduzieren: Menschen, Produkte und Profite. Die Menschen stehen an erster Stelle. Wenn man kein gutes Team hat, kann man mit den beiden anderen nicht viel anfangen. (Lee Iacocca (*1924). Amerikanischer Topmanager – 1979-92 Vorstandsvorssitzender. Chrysler Corporation)

Die Haltungen, dass Menschen grundsätzlich motiviert sind und durch Autonomie, ausreichend Kompetenzen und einen selbst empfundenen Sinn in ihrer Arbeit angetrieben werden, führt zu stark veränderten Aufgaben im Management weg von „Arbeit organisieren“ hin zu „Mitarbeiter führen“, „innere Ordnung zulassen“ und „Struktur geben“. Für eine Steigerung von Flexibilität werden gemeinsam gelebte Wertesysteme wichtiger als möglichst genau beschriebene Prozesse. Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter und eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Geschäftsbeziehung sind wichtige Grundlagen für den Erfolg von heute und morgen.

Viele guten Erfahrungen auf der Ebene von Projektarbeit und Produktentwicklung mit Methoden basierend auf dem agilen Manifest zeigen meines Erachtens die Richtung, in die sich zukunftsfähige Unternehmen entwickeln sollten. Gleichzeitig bieten diese Methoden auch Ideen, um eine Veränderung der Kultur in Unternehmen anzugehen und zu erreichen. Viele Unternehmen haben das erkannt und befinden sich bereits auf dem Weg. Agile Entwicklungspraktiken waren der Anfang, weiter geht es mit einem großen Kulturwandel über ein agiles Management hin zu agilen Organisationen.

Die Manage Agile 2013 machte Mut und unterstrich gleichzeitig die großen Herausforderungen für Unternehmen und deren Manager. Packen wir es an.

Warst du auch bei der Manage Agile? Wie lautet dein Fazit?

 

Danke

An dieser Stelle vielen Dank für die eindrucksvollen Keynotes, die vielen großartigen Vorträge, die spannenden interaktiven Momente und die gewinnbringenden Gespräche unter anderem von und mit (alphabetisch nach Unternehmensname) Andrea Tomasini (agile42 GmbH), Stefan Höhn (AOE GmbH), Jürgen Jost (AutoScout24 GmbH), Boris Gloger & Helene Valadon (bor!sgloger Consulting GmbH), Ulf Brandes (Brandes & Partners), Oliver van Laak (Cassini Consulting), Udo Wiegärtner (conplement AG), den Mitarbeitern der HLMC Event GmbH, Winald Kasch (Go! Agile AG), André Häusling (HR Pioneers GmbH), Marc Löffler (KARL STORZ), Kurt Jäger & Thorsten Janning (Kegon AG), Björn Schotte (Mayflower GmbH), Uwe Vigenschow (oose Innovative Informatik GmbH), Torsten Wolff (Otto GmbH & Co KG), Markus Fuchs (SES Platform Services GmbH), Dirk Lässig (Valtech), Malte Foegen (wibas GmbH) und natürlich Stefan Utermark und Stefan Reininger (Lucht Probst Associates GmbH), durch die ich die Möglichkeit hatte, an dieser Konferenz teilzunehmen.

2 Comments

Leave a Comment
  1. Hallo Daniel,

    danke für die Zusammenfassung. Für mich ist das eine gute Leitlinie, um meine Eindrücke von den beiden Tagen zu sammeln. Ich fand die Konferenz unterm Strich wertvoll und anregend. Die tollen Keynotes hoben sich wohltuend von anderen Erlebnissen bei anderen Veranstaltungen ab und der Anteil für mich anregende Vorträge war angenehm hoch.

    Liebe Grüße
    Uwe

Schreibe deinen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Achtung: Ich erkläre mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.
Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.