Höhere Kontrolle und überschaubares Risiko mit Scrum

Bei der Einführung von Scrum habe ich schon häufiger die Frage aus dem Management gehört: Wenn das Team selbstorganisiert ist und eigene Entscheidungen trifft in die ich nicht mehr eingreifen darf, habe ich dann nicht einen Kontrollverlust und steigt damit nicht auch mein Risiko?

Abgesehen von der Tatsache, dass man als Manager trotz Scrum weiterhin eingreifen darf oder manchmal vielleicht sogar auch muss (ob und wann ein solcher Eingriff sinnvoll ist, ist eine andere Frage) ist die vermeintliche Kontrolle bei an Wasserfall orientiertem oder ganz prozesslosem Vorgehen eine Illusion. Wäre es das nicht, wären mehr nach Wasserfall entwickelte Projekte erfolgreich.

In Scrum gibt es ein einfaches Mittel, nicht nur die Kontrollmöglichkeiten (auch) für das Management zu erhöhen, sondern gleichzeitig Risiken besser überschaubar zu machen, ohne dabei die Selbstorganisation und Verantwortungsübernahme durch das Team massiv zu stören oder gar Ideen agiler Softwareentwicklung oder Regeln von Scrum zu verletzen:

Der Hebel für das Management (und/oder den Product Owner) in allen Projekten oder der Produktentwicklungen seines Unternehmens ist die Lieferzeit, also die Länge der Iterationen die benötigt werden, um eine neue Softwareversion auszuliefern.

Eine einfache Rechnung: Wenn ein klassisches Scrum Team aus 7 Entwicklern, einem Scrum Master und einem Productowner drei Monate an einem Release ihrer Software entwickeln, dann muss das Unternehmen mehr als 2 Entwicklungsjahre finanzieren, bis es erste Ergebnisse sieht um auf der Basis zu entscheiden, ob und wie weiter gemacht wird. Bei einer monatlichen Lieferung einer neuen Version der Software fällt bei obigem Setup (nur oder immer) noch ein dreiviertel Entwicklungsjahr an Kosten an.

Es ist also ratsam, so in Iterationen zu arbeiten, dass am Ende einer Iteration tatsächlich ein (nicht nur potentiell, sondern tatsächlich) auslieferbares Produkt steht. Je kürzer dabei die Iterationen sind, umso größer ist die mögliche Kontrolle und umso überschaubarer ist das (mindestens finanzielle) Risiko. Die durch kurze Iterationen und schnelle Auslieferung gewonnene Kontrolle sorgt für Transparenz und Flexibilität und ist damit ein großer Mehrwert für des Unternehmen. Insofern sollte aus meiner Sicht das Management die Voraussetzungen für ein „Ausliefern auf Knopfdruck“ hoch priorisiert zur Verfügung stellen um gleichzeitig ein schnelles, häufiges sowie kontinuierliches Ausliefern einfordern und einen beispielsweise monatlichen Software-Releasezyklus von der Kür zur Pflicht machen zu können.

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