Besser werden (Teil 2)

In meinem letzten Beitrag „Besser werden“ habe ich mich mit Philip Rosenthals Zitat „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“ auseinander gesetzt. In diesem Blog-Beitrag möchte ich das Thema noch weiter vertiefen und eine Antwort bieten, wann und warum wir aus meiner Sicht besser werden müssen, um gut zu sein.

Wir müssen nicht besser werden

In Wikipedia heißt es zum Begriff Erfolg unter anderem: „Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele“. Erweiternd dazu heißt es in Wikipedia zum Begriff Ziel: „Ein Ziel ist ein in der Zukunft liegender, gegenüber dem Gegenwärtigen im Allgemeinen veränderter, erstrebenswerter und angestrebter Zustand“. Um den veränderten Zustand zu erreichen, muss man aktiv sein Wissen oder Können einsetzen (oder sich in einem ersten Schritt dieses Wissen und Können aneignen).

Man ist also persönlich erfolgreich, wenn man sich Können und Wissen aneignet, das einen dazu bringt, einen selbst gesetzten, veränderten und erstrebenswerten Zustand zu erreichen.

Wir müssen nicht besser werden, wenn wir mit dem Status Quo zufrieden sind oder den persönlichen Erfolg betrachten. Sobald wir aber im Wettbewerb stehen – und aus dieser Nummer kommen wir in unserer leistungsorientierten Gesellschaft kaum heraus – hören wir auf gut zu sein, wenn wir nicht kontinuierlich besser werden. Warum?

Das Kano Modell

KanoModellIn der Produktentwicklung gibt es das Kano Modell, das sich aus meiner Sicht auch auf Teams oder Organisationen oder die persönliche Entwicklung übertragen lässt.

Das Modell beschreibt die Kundenzufriedenheit in Abhängigkeit zum Erfüllungsgrad der Kundenanforderungen. Dabei werden die Anforderungen des Kunden in die drei Kategorien „Basismerkmale“, „Leistungsmerkmale“ und „Begeisterungsmerkmale“ unterteilt. Ohne die Erfüllung der Basismerkmale und möglichst vieler Leistungsmerkmale wird ein Kunde nicht zufrieden sein – begeistert wird er durch die Begeisterungsmerkmale.

Die eigentliche Herausforderung dabei ist die Veränderung der Einstufung der Merkmale im Laufe der Zeit. Die ehemaligen Begeisterungsmerkmale werden im Laufe der Zeit zu Leistungsmerkmalen und irgendwann zu Basismerkmalen. Was also vor einiger Zeit für Begeisterung gesorgt hat, das gehört morgen zur Basis-Ausstattung.

Betrachtet man beispielsweise Sonderwünsche bei Autos, kann man das gut verfolgen. Ich erinnere mich noch an eine Zeit, in der eine Zentralverriegelung ein Begeisterungsmerkmal war. Heute gehört das quasi zum Standard – ähnlich verhält es sich mit elektrischen Fensterhebern oder Klimaanlage, die sich zunehmend von Leistungsmerkmalen zu Basismerkmalen verschieben. Begeistern können Autohersteller heute mit Dingen wie „Head Up Display“, „Müdigkeitssensor“ und ähnlichem.

Unsere gesamte Gesellschaft verändert sich und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Alleine durch tägliche Erfahrungen lernen wir alle kontinuierlich dazu. Wir entwickeln uns weiter und werden damit immer „besser“. Zusätzliches organisiertes und zielgerichtetes Lernen führt zu einer stärkeren kontinuierlichen Verbesserung.

Unternehmen und Arbeitnehmer

Unternehmen stehen im Wettbewerb. In wissensbasierten Berufen sind die Arbeitnehmer das Kapital des Unternehmens. Unternehmen brauchen dauerhaft die besseren Arbeitnehmer gegenüber der Konkurrenz, um bestehen zu können. Damit stehen zwangsläufig auch Arbeitnehmer in einem Wettbewerb.

Als Arbeitnehmer muss ich kontinuierlich daran arbeiten, mich in meinem Job zu verbessern, um zu den dauerhaft besseren Mitarbeitern zu gehören – mindestens um mit allen Kollegen gemeinsam besser zu sein als die Mitarbeiter eines anderen Unternehmens. Als Arbeitnehmer muss ich mich den sich verändernden Anforderungen stellen und ihnen gerecht werden können. Im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern werden sonst ehemaligen „Begeisterungsmerkmale“ zu „Leistungsmerkmalen“ und damit „austauschbar“ bis sie irgendwann zu „Basismerkmalen“ werden, einfach weil andere Arbeitnehmer ganz neue Begeisterungsfaktoren zusätzlich zu den Basisfaktoren mitbringen.

Als Arbeitnehmer bin ich vielleicht immer noch so gut, aber ich habe mich nicht verbessert und bin damit im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern vielleicht irgendwann nicht mehr gut genug.

Fazit:

Wir werden alleine durch unsere Erfahrung kontinuierlich besser. Ohne Erfahrung und aktives Lernen bleiben wir (nur) so gut, wie wir sind. Gut zu sein ohne uns weiter zu verbessern gelingt in der wichtigen individuellen Betrachtung und reicht an vielen Stellen völlig aus. Sobald wir uns in den Wettbewerb begeben – als Unternehmen, Mitarbeiter, Sportler (oder was auch immer) – muss ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess im Gang sein, um gut zu bleiben, weil wir sonst überholt werden und gut irgendwann nicht mehr gut genug ist.

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