Agil: Nur für Könner?!

Vordenker wie Lars Vollmer, Niels Pfläging und andere haben längst klar gestellt: Für die Lösung komplizierter Probleme reicht es aus, etwas zu kennen. Für komplexe Probleme braucht es Könner.


Agile Methoden gelten als Antwort auf die Lösung komplexer Probleme, weil sie mit der Unsicherheit und fehlenden Vorhersagbarkeit umgehen und auf Veränderung reagieren und sich selbst kontinuierliche verbessern können. Agile Methoden basieren auf Werten und Prinzipien und bieten Rahmen für kontinuierliches Lernen. All das kann nur so gut sein, wie die Menschen, die diese Systeme und sich selbst in ihnen organisieren.

Die Antwort klar und einfach: Agil: Nur für Könner!

truthofexperienceWenn komplexe Probleme gelöst werden sollen, werden Könner benötigt, die sich am Besten mit agilen Methoden organisieren. Agile Methoden ausschließlich mit Kennern oder Wissenden (nach dem Motto: ich habe da mal ein Buch gelesen und kenne die Best Practices von diesem größten agilen Unternehmen) zu praktizieren, bringt kaum gute Ergebnisse – Cargo-Cult (noch mehr dazu) im Kleinen wie im Großen ist die Folge.

There is nothing more sacred than the truth of experience

Den großer Unterschied zwischen „Kenner“ und „Könner“ macht Erfahrung. Erfahrung ist das im Laufe von Zeit erprobte Wissen. Um erfahren zu sein, braucht man Wissen, Zeit dieses Wissen zu erproben (und zu hinterfragen) und ein System, in dem Lernen und Erfahrungen machen möglich ist.

Für die Bewältigung von komplexen Problemen braucht man ausreichend viele Könner. Könner können auf Augenhöhe Kennern (und Nicht-Kennern) dabei helfen, zu Könnern zu werden. Könner sind dabei im besten Fall Teil der Teams, um ein möglichst schnellen und einfachen Erfahrungsaufbau zu ermöglichen.

Wie siehst du das? Kann man nur mit Könnern in agilem Kontext arbeiten? Was passiert, wenn man nicht nur Könner hat und wie kommt man vom Kenner zum Könner?

(Das verwendete Titelbild ist von Thomas Leuthard, das Bild im Text wurde bearbeitet und stammt im Original von clod – vielen Dank!)

11 Comments

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  1. Noch eine Anmerkung: Unter „Agil: Nur für Könner!“ verstehe ich, dass nur Könner wirklich agil arbeiten können – das bedeutet nicht, dass in agilen Teams nicht auch Kenner (und Nicht-Kenner) sein können. Ein agiles Team kann durchmischt sein, agile Arbeitsweisen können aber nur durch Könner voran getrieben werden und die Anzahl an Könnern muss m.E. größer sein als in einem klassischen Vorgehen.

  2. Hallo Daniel,

    Danke für deinen Blogbeitrag.

    Keine Frage: um eine komplexe Aufgabe zu „meistern“, reicht Wissen allein wohl kaum, da macht auch ein agil arbeitendes Team keine Ausnahme. Anders formuliert: anzunehmen, dass agiles Vorgehen, den Bedarf nach individuellen Fähigkeiten in den Teams außer Kraft setzt, wäre schlicht naiv.

    Die Erkenntnis, dass man kein Baumeister durch Lesen wird, sondern über eine Zimmermanns-Lehre, Wanderjahre und eine Meisterprüfung zum Könner wird, ist ja in dem Sinne nicht ganz neu und sicher nicht ganz speziell für das agile Umfeld. Vielleicht wäre eine Besinnung darauf, auch mit Bezug auf deine Frage, wie wir von Kennern zu Könnern werden ein spannender Ansatz: wie könnte denn eine agile Walz aussehen?

    Erinnert fühlte ich mich im übrigen bei dem Thema an Boris Grundl, der auch gerne die Unterscheidung zwischen Kennen und Können aufgreift und gerne darauf hinweist, dass Wissen alleine noch keine Wirkung erzielt.

    http://www.fuehren-und-wirken.de/weniger-kennen-mehr-koennen

    Vielleicht auch ein hilfreicher Gedankensprung …

    Ahoi,
    Thomas

    1. Meiner Erfahrung nach ist der Bereich, den man können muss um agil zu arbeiten, wesentlich breiter, als der in einem klassischen (Wasserfall) Vorgehen. Damit steigen die Anforderungen an jeden Mitarbeiter im agilen Kontext. Es reicht nicht mehr aus, Experte in einem Gebiet zu sein, auf den Arbeit zugeschnitten wurde. Jeder Mitarbeiter wird quasi zu einem Unternehmer mit einem hohen Maß an Verantwortung für ein Gesamtergebnis.

      Und das ist für mich der große Unterschied: agil ohne ein hohes Maß an Könnern (aus dem Bauch raus >50%) bringt wenig zufriedenstellende Ergebnisse und sorgt durch ein gewisses Maß an Überforderung zu Frust. Bei klassischen Methoden habe ich es anders erlebt – da waren viele „Nicht-Könner“ deutlich zufriedener (das Ergebnis dennoch nicht besser).

  3. Nur Könner können agile? Gewagt. Aber „Erfahrung“ ist wichtig. Reines Wissen bringt nicht weiter. Aber Könner können helfen aus Kennern künftig Könner zu machen. Die Mischung machts.

    1. Wieso gewagt? Eigentlich sagst du es selbst: Nur Könner KÖNNEN agil. Wissende WISSEN etwas über agil und Kenner KENNEN agil. Liegt auf der Hand eigentlich 😉 Es braucht auf jeden Fall Könner, und nur Könner können Wissende und Kenner unterstützen – und Erfahrungen und Lernen ist etwas ganz individuelles.

  4. Interessant, dass gerade Vollmer und Pflaeging als Vordenker für Komplexität genannte werden.

    Vollmer macht es sich einfach, indem er in „einem seiner besten Vorträge“ (https://www.youtube.com/watch?v=AqcqDXBN6Gk) gleich zu Beginn einen nicht belegten und starke vereinfachenden Vergleich zwischen Fortune 500 Unternehmen und deutschen KMU anstellt.

    Pflaeging macht es sich noch einfacher und klaut seine Inhalte: https://twitter.com/GerhardWohland/status/755375328550412288

    1. Einen solchen Beitrag ganz Anonym zu veröffentlichen finde ich schade.

      In die Streitigkeiten zwischen Niels und Herrn Wohland mische ich mich nicht ein und eine Diskussion darüber wünsche ich mir auch nicht in diesem Blog.

      Ich kann nur sagen, dass mir viele Ideen und Haltungen zu Komplexität und aktueller Arbeit von Niels und Lars gefallen und sie für mich ganz persönlich (und es ist ein persönlicher Blog) zu Vordenkern gehören – und wenn der Grund dafür ist, dass sie gut vernetzt sind in Kreisen, in denen ich mich bewege, dann ist das für mich vollkommen ok. Dass auch ihre Ideen eine überdachte Summe aus Erfahrungen und Wissen ist, die sie gemacht und sich angeeignet haben, finde ich selbstverständlich.

      Urheberrecht auf Wissen halte ich für eine schwierige – immerhin bin ich über die Diskussion jetzt auf Herrn Wohland aufmerksam geworden und bin gespannt, was er für weitere Vordenker-Ideen hat. Da lasse ich mich gerne von mehreren Quellen inspirieren.

  5. Frag doch mal einen Schreinermeister, was er so von seinem Lehrling erwartet. Ich denke, da bekommst Du eine gute Antwort, im Hinblick auf Kenner und Könner.

    Aus meiner Erfahrung braucht es hier auch wieder eine gesunde Mischung von Kennern und Könnern. Es braucht den erfahrenen Könner, der dem Kenner in der spezifischen Situation weiterhilft. Es braucht den Kenner, der die Praktiken und Methoden hinterfragt und so auch dem Könner hilft, seine Prinzipien und Praktiken zu verfeinern und besser zu vermitteln.

    Die Kenner brauchen die Gelegenheit zum Üben. Dabei sollten Kenner und Könner auf Augenhöhe eng zusammenarbeiten. Nur so sammelt der Kenner die notwendige Erfahrung.

    Die Könner brauchen pädagogische und didaktische Fähigkeiten, um ihr Wissen an die Kenner weiter zu geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies nicht unwesentlich ist. So wird eine gute Idee im Keim erstickt, weil sie z.B. ungeschickt vermittelt wird. Es ist aus meiner Sicht also wertvoll in diese Fähigkeiten früh zu investieren (z.B. mit Kommunikationstraining, Präsentationstraining u.ä.).

    Agil nur für Könner? Wie sieht denn die Alternative aus? Klassisches Wasserfall? Inkrementeller Wasserfall? V-Modell? Irgendwas dazwischen? Für mich ist das ganz klar: Durch den Gedanken der kurzen Feedbackzyklen und der kontinuierlichen Verbesserung ist jedes Kenner-Agile-Team dem Klassik-Kenner-Team überlegen.

    Wichtig dabei ist das agile Mindset. Dies habe ich dadurch bekommen, dass ich die Erfahrung in nicht agilen Organisationen gesammelt habe. D.h. am Ende musste ich gar nicht überzeugt werden, warum agil für mich der richtige Weg ist. Das hat sich für mich ganz normal entwickelt. Alle agilen Kenner, die noch neu in dem Thema sind, müssen erst noch begreifen, warum die XP-Prinzipien und -Werte sinnvoll sind und wie genau sich diese auswirken. Deshalb sollten die agilen Praktiken nicht einfach unerklärt und unbegründet vermittelt werden. Auch die Hintergründe für die agilen Methoden müssen immer wieder gelehrt werden.

    1. Wie die Alternative aussieht? Für die Lösung komplexer Probleme kenne ich keine.

      Und wir sind einer Meinung – ich schreibe ja: „Für die Bewältigung von komplexen Problemen braucht man ausreichend viele Könner. Könner können auf Augenhöhe Kennern (und Nicht-Kennern) dabei helfen, zu Könnern zu werden.“

      Was ich sage und das beschreibst du in deinen letzten beiden Sätzen: Ohne Könner wird der Prozess vom Kenner zum Könner sehr schmerzhaft und langwierig und wahrscheinlich nicht erfolgreich – zumindest nicht erfolgreich genug, um am Markt bestehen zu können. Agil braucht Könner!

      1. Ok, mich stört nur das eine Wort im Titel. Aber das war wahrscheinlich dafür gedacht, dass man den Artikel liest.. ;-P

        Agil NUR für Könner?! Nein! Agil braucht erfahrene Menschen, die bereits agil gearbeitet und verstanden haben, warum man das überhaupt macht.

        1. Was ist der Unterschied für dich zwischen „erfahrene Menschen, dir bereits agil gearbeitet und verstanden haben…“ und „Könner“?

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